Challenge - sei nicht so digital schüchtern...

Wie kommt man denn darauf, Sängerin zu werden? Kann man das Studieren? Was macht man denn dann tagsüber?

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Diese Fragen bekomme ich immer wieder gestellt. Meist von Konzertbesuchern, neuen Bekannten oder Freunden meiner Familie. Und häufig kommt natürlich noch die Bitte, mal was Kleines vorzusingen.

Hach ja...

Wie kommt man denn darauf Sängerin zu werden?

Bei mir war die Entscheidung, Sängerin zu werden, einfach angelegt in meiner Kindheit. Obwohl meine Mutter Steuerberaterin ist, hat sie großen Wert darauf gelegt, mich und meinen Bruder musikalisch ausbilden zu lassen. Und so habe ich schon als kleines Mädchen im Kinderchor an der Staatsoper Hamburg gesungen und Blut geleckt für die Aufregung, den Duft, das Licht und die Kostüme... Ich habe es von Beginn an geliebt, in die Musik einzutauchen und alles zu vergessen. Und da ich immer eine Stimme hatte, die allen auffiel, wurde ich gefördert von meinen Lehrern, die mir große Soli gaben in Konzerten, Musicals und Operetten. Außerdem spielte ich nebenbei noch Konzertharfe und gewann viele Preise bei "Jugend Musiziert", einem wirklich tollen Musikwettbewerb für Kinder und Jugendliche, der in ganz Deutschland jedes Jahr veranstaltet wird. So trainierte ich mir schon sehr früh professionelles Üben und Musizieren an und lernte von früh auf, wie man Konzerte gibt. Die Entscheidung nach dem Abitur, mich für das Gesangsstudium zu entscheiden, fiel mir relativ leicht, denn es war die absolut logische Konsequenz aus meinem bisherigen Leben. Was mich damals (und ehrlich gesagt auch heute immer noch) aber auch sehr interessierte, waren Psychologie und Medizin, meine Plan B Optionen, wenn es mit dem Gesang nicht geklappt hätte...

Und so bewarb ich mich bei einigen großen Hochschulen, und hatte schon nach den ersten drei Prüfungen - drei Zusagen. Worauf hin ich die anderen Zugangsprüfungen gar nicht mehr machte und mich für die 'Hochschule für Musik Hanns Eisler' in Berlin, einschrieb. Ein sehr großer Glücksfall, wie sich dann später herausstellte, denn dort werden auch die Musiktheaterregisseure ausgebildet. Diese müssen jedes Semester etwas inszenieren und suchten immer Sänger und Sängerinnen in der Ausbildung, die umsonst zur Verfügung standen. Ich stand also vom 2. Semester an immer auf einer Bühne in Berlin und sang von Uraufführungen bis zu Barockopern, alles, was verlangt wurde. Was - nebenbei gesagt - auch einen Heidenspaß machte!

Kann man das studieren?

Studieren kann man Gesang allerdings. Und das wird in Deutschland auch ziemlich gründlich getan, denn es ist ein langes Studium, ich hatte eine Regelstudienzeit von 6 Jahren bis zum Diplom, wobei ich in der Zeit zwei Diplomstudiengänge erledigte, nämlich Gesang und Gesangspädagogik. Ein halbes Jahr habe ich mir dann noch extra Zeit genommen und war in Amsterdam, um dort noch mehr zu lernen und andere Herangehensweisen kennen zu lernen. Heute gibt es auch bei den Kunst- und Musikhochschulen Bachelor und Master Abschlüsse, sie dauern meist 4 Jahre für den Bachelor und weitere 2 Jahre für den Master. Leider dürfen nicht alle einen Master machen. Man muss dafür noch einmal eine Aufnahmeprüfung absolvieren und bei einer Ablehnung, kann das ziemlich dramatisch für den Einzelnen sein, wenn er noch nicht fertig ist für den "Markt".

Häufig lernt man aber nicht unbedingt alles im Studium, was man für diesen Beruf und seine Ausübung braucht. Zum Beispiel sich selbst zu vermarkten :-). Das fällt mir bis heute sehr schwer. Aber das wird mal ein eigener Blogeintrag über die 'Tücken des Gesangsstudiums' aus meiner subjektiven Sicht.

Was macht man denn tagsüber?

Was die dritte Frage angeht, was ich tagsüber so treibe, dann ist das relativ schnell erzählt. Ich mache technische Übungen für die Stimme, übe Lieder und Arien für die nächsten Konzerte und Vorstellungen, stelle Konzertprogramme zusammen, recherchiere musikalische Literatur, recherchiere gesangspädagogische Literatur, schreibe Emails und versende Vitae und Photos, plane Reisen und buche Tickets und Hotels, gebe Gesangsunterricht, nehme mir Zeit für Yoga und meine kleine Gedankenpause und dann sause ich los und hole meine Kinder ab vom Kindergarten und der Schule und verbringe den Rest des Tages mit Ihnen.

Wenn ich in einer Produktion bin, weit weg von zuhause, ist der Rhythmus hingegen ganz anders. Dann probe ich meistens von 10-14 und 18-22 Uhr. Je nachdem, welche Szenen der Oper dran sind, kann das natürlich auch weniger sein. Nachmittags macht man dann Einkäufe, isst etwas, schreibt ein paar Emails und versucht, so gut es geht, auszuruhen und noch zu üben, um dann wieder zur Probe zu eilen. Oder man schreibt noch schnell einen Blogeintrag für die Website, wie ich das gerade tue. ;-)

Bis ganz bald,

Eure Annika

P.S.: Das wunderschöne Photo hat mein lieber Onkel, Hermdieter Habbe, gemacht. Ein fantastischer Landschaftsphotograph - der Schleswig-Holstein kennt, wie seine Westentasche - und dieses seit Jahrzehnten in den schönsten Bildern einfängt.

Annika Mendrala